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Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
von: Hape Kerkeling
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Bindung: Gebundene Ausgabe
EAN: 9783890293127
ISBN: 3890293123
Label: Malik
Hersteller: Malik
Seiten: 320
Erscheinungsdatum: 2007-10
Herausgeber: Malik
Studio: Malik
Verkaufsrang: 62
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Produktbeschreibung:
Aus der Amazon.de-Redaktion: Hape Kerkeling, aus der Kirche ausgetretener Komiker, Königin-Beatrix- und Horst-Schlämmer-Parodist, Schauspieler und (Let’s Dance)-Moderator, und der Jakobsweg, einer der wichtigsten Pilgerpfade überhaupt -- passt das zusammen? Auf den ersten Blick nicht wirklich. Kerkeling hat selbst seine Zweifel, als er sich in den Pyrenäen mit seinem elf Kilo schweren Rucksack Kehre für Kehre in Richtung fernes Saniago de Compostela dahinschleppt. Doch im Lauf der rund 800 Kilometer langen Tour schwinden die Zweifel, sowohl beim Autor als auch beim Leser. Die beiden passen, und wie.
Der Jakobsweg ist seit knapp tausend Jahren Gegenstand unzähliger Aufzeichnungen und Bücher, gerade in den vergangenen Jahren gab es eine wahre Flut zu diesem Thema. Und doch ist Ich bin dann mal weg erfrischend anders, was an der ganz und gar typisch Kerkeling’schen Art und Weise liegt, seine rund sechs Wochen lange Tour amüsant und beschwingt, aber dennoch ergreifend und sehr persönlich wiederzugeben. Seine ungekünstelten Tagebucheinträge machen Mut, dass auch ausgewiesene Couch Potatos die durchaus vorhandenen Strapazen der Wanderung zu meistern. Strapazen lauern übrigens auch in Gestalt wenig komfortabler Unterkünfte, manch ungenießbar scheinender Mahlzeit und aufdringlicher Weggefährten.
Kerkeling nimmt alle Hürden und dabei kein Blatt vor den Mund. Er beschreibt die Dinge und Menschen, wie sie sind. Demzufolge fungiert das 320 Seiten starke und mit einigen netten Fotos angereicherte Buch als ausgezeichneter und sehr detaillierter Reiseführer -- wenngleich sich im Vergleich zum Jahr 2001, in dem dieser Trip stattfand, sicherlich einiges geändert haben dürfte. Wichtiger noch ist aber die Funktion als vom Jakobsweg losgelöster spiritueller Ratgeber. Das Gute daran: Das Buch will gar kein spiritueller Ratgeber sein. Missionarischer Eifer, arrogante Besserwisserei, nervige Erleuchtungseskapaden? Fehlanzeige. Und doch geht es viel um Gott, Religion, Wiedergeburt (ein Thema, dass die Boulevardpresse dankbar aufgriff) und die zentrale Frage „Wer bin ich?“ Seine Gedanken bringt Kerkeling in den so genannten „Erkenntnissen des Tages“ auf den Punkt. Kostprobe vom 3. Juli: „Manchmal ist es das Vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein!“ Zum Beispiel, als untrainierter Wanderer sechs Wochen lang zu wandern. -- Christian Haas
Kurzbeschreibung: Kein Witz: Hape Kerkeling, Deutschlands vielseitigster TV-Entertainer, geht zum Grab des heiligen Jakob: 600 Kilometer durch Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela, und erlebt die außergewöhnliche Kraft einer Pilgerreise.Es ist ein sonniger Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und in St.-Jean-Pied-de-Port aufbricht. Sechs Wochen liegen vor ihm, allein mit sich und seinem elf Kilo schweren Rucksack: über die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, durch das Baskenland, Navarra und Rioja bis nach Galicien zum Grab des heiligen Jakob, seit über tausend Jahren Ziel für Gläubige aus der ganzen Welt. Mit Charme, Witz und Blick für das Besondere erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen, lernt er die Einheimischen ebenso wie moderne Pilger und ihre Rituale kennen. Er erlebt Einsamkeit und Stille, Erschöpfung und Zweifel, aber auch Hilfsbereitschaft, Freundschaften und Belohnungen – und eine ganz eigene Nähe zu Gott. In seinem Buch über den Wert des Wanderns zeigt der beliebte Spaßmacher, wie er auch noch ist: abenteuerlustig, weltoffen, meditativ.
Über den Autor: Hape (eigentlich Hans-Peter) Kerkeling, geboren 1964 in Recklinghausen, spricht vier Fremdsprachen und arbeitet seit 1984 als TV-Entertainer. Berühmt wurde Kerkeling mit der Rolle »Hannilein«. Seitdem folgte eine Vielzahl erfolgreicher Shows und Serien wie »Total normal« und »Hape« trifft. Hape Kerkeling ist u.a. Bambi- und Grimme-Preisträger und erhielt den deutschen Comedy-Preis 2005 als bester Komiker. Er lebt in Düsseldorf.
Auszug aus Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg von Hape Kerkeling. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.:
10. Juni 2001 - Roncesvalles
Mann, bin ich gebeutelt! Kann kaum noch den Stift in der Hand halten. Heute Morgen um kurz vor sieben verlasse ich mein Hotel mit dem Ziel Roncesvalles in Spanien. Frühstück gab's keines. Das wird erst ab acht gereicht. Stattdessen hab ich mir einen Powermüsliriegel gegönnt. Davon habe ich mir drei Stück eigentlich nur für Notfälle aus Deutschland mitgenommen. Meine Ein-Liter-Plastikwasserflasche habe ich lediglich zur Hälfte gefüllt, denn jedes Milligramm mehr macht meinen Rucksack nur schwerer. Gleich nachdem ich den offiziellen, zunächst gepflasterten Pilgerpfad betrete, fängt es an, wie aus Kübeln zu regnen, und die nassfeuchte Kälte macht mir schnell klar, dass meine überteuerte Regenjacke nicht nur kälte-, sondern auch wasserdurchlässig ist. Kein anderer Pilger ist unter wegs, soweit ich das in dem dichten Nebel beurteilen kann. Die Herrschaften baden offensichtlich gerne lau. Alles Weicheier und nicht so hart im Nehmen wie ich, so viel steht jetzt schon fest! Eigentlich wollte ich heute schön langsam starten und mich an das Gewicht auf meinen Schultern und das Gehen mit dem Wanderstock gewöhnen. Pustekuchen! Bei dem Wetter will man nicht laufen, sondern bloß so schnell wie möglich irgendwo ankommen. Der doofe Pilgerstab gerät mir ständig zwischen die Füße und kleinste Stolperer führen dazu, dass mich der Rucksack, der Schwerkraft gehorchend, mit voller Wucht nach vorne drückt, sodass ich untrainierter Moppel mich nur mit Mühe wieder fange. Ein vernünftiges Lauftempo stellt sich so nicht ein. Entweder hetze ich atemlos vor mich hin oder ich krieche nur so voran. Ob die Gegend hier schön ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Vor lauter Regen und Nebel kann ich nichts, absolut nichts sehen. Das Foto in meinem farbigen Reiseführer zeigt eine märchenhaft verschneite Gebirgskulisse vor einem glühenden Sonnenuntergang und erklärt diese Region zu einer der magischsten Europas, die ich unbedingt mal gesehen haben sollte. Hier soll es üppige Weidematten mit Schafen, die unbedingte Vorfahrt genießen, egal wer des Weges kommt, unter schroffen Felsformationen geben. Mag sein. Leider werde ich nie guten Gewissens behaupten können, hier gewesen zu sein! So holpere ich dann in einem dreistündigen Gewaltmarsch immer nur steil bergauf, arbeite mich stoisch durch eine riesige Nebelwand auf die Passhöhe von Roncesvalles auf 1300 Höhenmetern zu, während mein Rucksack ganz eindeutig wieder nach Hause will, so wie der zieht. Irgendwann, es war ja zu befürchten, kann ich nicht mehr weiter. Mir kommt der Gedanke, dass, wenn ich jetzt tot umfalle, mir auch mein knallroter Signalrucksack nichts nützt. Bei dem Bergnebel wäre ich auch von oben schier unauffindbar. Ich beschließe, dass das überaus tragisch ist, und so kann ich mich durch einen nervösen Lachanfall wenigstens entspannen. Lachen strengt mich aber noch mehr an. Die Vernunft obsiegt und so entscheide ich, dass hier und jetzt nichts mehr geht, dass ich das Heft nicht mehr in der Hand halte und mich demütig in mein Schicksal füge. Ich kann einfach nicht mehr weiter! Bei strömendem Regen setze ich mich auf einen Stein am Wegesrand und genieße das nicht vorhandene Pyrenäen panorama. Ein Blick nach rechts sagt mir, dass ich den steilen Aufstieg nicht mehr schaffen werde, da der Gipfel, wenn ich von meinem bisherigen Entenmarschtempo ausgehe, wahrscheinlich noch Stunden entfernt liegt. Ein Blick nach links verrät, dass ich den wahrscheinlich dreistündigen, nicht minder steilen Abstieg auch nicht mehr auf die Reihe bekomme. Dies ist also ein Notfall und so gönne ich mir einen Müsliriegel und eine klatschnasse Zigarette. Triefende Nässe verleiht dem Tabak eine besondere Note. Der Regen stört mich nicht mehr, es ist eh schon alles triefend nass, übrigens auch alle Dinge in meinem garantiert wasserundurchlässigen Rucksack! Qualmend sitze ich auf dem Stein und lache. Keine Ahnung wie lang; fünfzehn Minuten vielleicht? Auf dem gesamten mehrstündigen Marsch war ich nicht einem einzigen Menschen begegnet. Plötzlich - ohne Vorwarnung - taucht links vor mir im Nebel ein kleiner blauer Transporter auf. Ich reagiere prompt und zwinge ihn, vor Freude mit meinem Wanderstab wedelnd, zu halten. An mir und meinem Warnrucksack kommt der auf dem schmalen Sträßchen sowieso nicht vorbei. Der uralte dreirädrige Wagen kommt zum Stehen. Von innen wird die Beifahrertür geöffnet und ein knallrotes Bauerngesicht strahlt mich derbe an. »Na, wo wollen Sie denn bei dem Sauwetter hin?«, schallt es mir in einem urwüchsigen französischen Dialekt entgegen. »Nach oben!«, sage ich, denn das französische Wort für Gipfel will mir gerade partout nicht einfallen. Mit einer knappen einladenden Geste und einem dahingebrummten Wort bittet der Bauer mich in den Wagen. Ohne den Rucksack vorher abzuschnallen, setze ich mich neben den Gauloise rauchenden Mann im Blaumann und klebe nur fast mit der Nase an der Scheibe. Den von hinten kommenden strengen Gestank kann ich allerdings noch deutlich riechen. Ich drehe mich um und ein gigantischer Widderkopf blökt mich von der Ladefläche an. Ein zweites Tier streckt mir seelen ruhig sein Hinterteil entgegen. Mit Vollgas geht es jetzt Richtung Gipfel. »Wie weit ist es denn noch bis... oben?«, frage ich, um eine Konversation zu beginnen. »Nicht mehr weit. Zweieinhalb Kilometer vielleicht?«, entgegnet er, während er mir eine trockene Zigarette anbietet, welche ich mir rasch anzünde. »Dann war ich ja doch schon fast oben«, entfährt es mir erleichtert. »Sind Sie einer von den Pilgern?« »Ja!«, antworte ich knapp und denke: »Jetzt habe ich es zum ersten Mal gesagt: Ich bin Pilger!« »Meinen Sie nicht, dass Sie sich da ein bisschen zu viel aufhalsen?«, will er jetzt kritisch dreinschauend wissen. Ja, ich mute mir allerdings zu viel zu, aber ich werde einen Teufel tun, das in Gegenwart zweier stinkender Schafe zuzugeben. Der Wagen schlängelt sich flott nach oben und wie auf Kommando wird der blökende Widder von einem akuten Würgereiz, begleitet von grünem Auswurf, befallen. Kurz gesagt: Das riesige Schaf kotzt auf die Ladefläche. Als wäre das eine besondere Leistung, grinst der Landmann mich fröhlich an. Mir fällt nichts Originelleres ein als: »Ist ihm nicht gut?« Der Bauer kann mich aber beruhigen: »Das macht er immer! Er fährt nicht gern Auto! Aber der Sommer kommt und dann müssen sie nun einmal wieder auf die Alm und das geht nur mit dem Auto.« Auf einer Anhöhe setzt mich mein Fahrer dann im strömenden Regen und noch dichterem Nebel und bei subjektiv eindeutig gefühlten Minustemperaturen an einem total zermatschten Waldweg aus. Er beugt sich noch mal lächelnd mit der Kippe im Mund zu mir: »Das Schlimmste haben Sie geschafft! Der Gipfel ist nicht mehr weit.« Ich bedanke mich von Herzen und kann es mir nicht verkneifen, dem Widder gute Besserung zu wünschen. So braust das Auto weiter, während ich im Nebel erfolgreich nach Wegweisern fahnde. Durch die Verschnaufpause fühle ich mich wieder halbwegs gewappnet für den Weg nach Spanien und will mir daraufhin einen Schluck Wasser gönnen. Beim Griff nach meiner Wasserflasche muss ich jedoch feststellen, dass mir diese im Auto aus dem Rucksack gerutscht sein muss. Großartig! Es regnet in Strömen und ich hab das Gefühl zu verdursten. Nach unzähligen weiteren kleinen Aufstiegen - die Luft wird da oben schon etwas dünner - komme ich an die berühmte Rolandsquelle, ganz in der Nähe der offenen spanischen Landesgrenze, dorthin, wo Ritter Roland sich so wacker, aber erfolglos gegen die Basken - oder waren es die Mauren? - geschlagen hat. Schon Karl der Große soll aus der Quelle getrunken haben. Für solche historischen Spitzfindigkeiten habe ich jetzt allerdings wenig Sinn - ich habe Durst. Frei nach Brecht kommt erst das Trinken, dann die Bildung. Im Lauftempo hoppele ich zu dem Brunnen, während mein Rucksack fröhlich auf und ab schunkelt und noch viel stärker an meinen armen Schultern zerrt. Schon sehe ich mich meinen Durst stillen und drücke beinahe feierlich den schicken goldenen Hahn der Rolandsquelle und - nichts passiert! Kein Wasser! Ich versuche es mehrmals, aber die Quelle scheint versiegt. Sturzbäche fließen links und rechts an mir vorbei. Rot, matschig und modderig. Aber kein Wasser in der Quelle. Mein Reiseführer weiß indes zu berichten, dass dies die einzige Trinkwasserquelle auf der gesamten Etappe ist, dass Roland, der Paladin Karls des Großen, hier von den Sarazenen - ah, den Sarazenen! - brutal gemeuchelt wurde und dass mich auf Grund der schlechten Witterung noch mindestens viereinhalb Stunden Fußmarsch erwarten. Fantastisch! Heute ist definitiv mein Tag! Ich bin wütend. Kann mir nicht verdammt noch mal jemand 'n Klempner schicken? Da höre ich plötzlich ein allmählich sich näherndes Motorengeräusch. Und aus dem Nebel taucht am Berghang oberhalb der Quelle ein kleines Feuerwehrauto auf. Keine Halluzination! Zwei gut gelaunte Feuerwehrmänner steigen aus und tapern durch den Nebel langsam zu mir herunter. »C'est tout bien, monsieur?« Sie erkundigen sich netterweise nach meinem Befinden. Meine Antwort kommt prompt und wer so großen Durst hat, der kann auch gut Französisch: »Mir geht es bestens, aber der Wasserhahn der historisch bedeutsamen Rolandsquelle ist defekt. Sie werden es kaum glauben, aber da ist kein Wasser mehr drin!« In Nullkommanix, wie halt die Feuerwehr so ist, bringen sie zwar den Hahn nicht dazu, Wasser zu spucken, aber durch eine gemeinsame Kraftanstrengung gelingt es ihnen, hinter der Quelle einen Schlauch aus dem Erdboden zu reißen und ich kann endlich saufen! Mindestens zwei Liter lasse ich in mich hineinlaufen. Danach reparieren die Jungs alles wieder bzw. sie machen den Brunnen wieder funktionsuntüchtig; so wie er halt vorher war! Heute war ich sicher der Einzige, der hier getränkt wurde. Und dann sprudelt die Frage förmlich aus mir heraus: »Was um Himmels willen machen Sie denn bei diesem Sauwetter hier oben?« Der kräftigere der Feuerwehrmänner erklärt mir mit einem Lächeln: »Gar nichts. Meinem Kumpel ist bloß schlecht geworden. Gestern hatten wir den großen Feuerwehrball in Saint-Jean-Pied-de-Port und er hat zu viel getrunken und nun müssen wir alle zehn Minuten anhalten, weil der Kollege sich übergeben muss.« So schnell wie die Feuerwehr-Fata-Morgana gekommen ist, verschwindet sie auch wieder in der Nebelwand. Mensch und Tier scheint es hier wohl öfter schlecht zu gehen und mir kommt es auf mysteriöse Art zugute. Zum zweiten Mal bin ich heute dankbar. Die Feuerwehrmänner waren Franzosen, was bedeutet, dass ich also noch nicht mal in Spanien bin und der längste Teil des Wegs noch vor mir liegt. Beschwingt marschiere ich weiter durch den immer dichter werdenden Wald und über Berge, von denen ich nur vermuten kann, dass es sie gibt. Der Himmel will und will nicht aufreißen. Nach drei weiteren quälenden Stunden Fußmarsch werde ich endgültig lauffaul, habe aber noch locker zwei Stunden auf den Beinen vor mir, denn der Regen wird immer stärker und ich immer schwächer. Mittlerweile bin ich so langsam geworden, dass mich innerhalb von einer halben Stunde ein Dutzend Pilger überholen. Wo kommen die auf einmal alle her? Seit Stunden habe ich niemanden gesehen und nun ziehen sie klitschnass und grußlos an mir vorüber! Zum Glück geht es dann aber auch irgendwann wieder abwärts. Mein Herz schlägt höher. Der Abstieg auf dem höchstens zwanzig Zentimeter breiten Matsch- und Geröllpfad durch den Wald aus Buchen ist jedoch so steil, dass mein linkes Knie nach kurzer Zeit anfängt zu pochen und höllisch zu schmerzen. Dass Knieschmerzen sich so rasend steigern können, war mir bisher unbekannt. Es hilft nichts, ich muss laut vor mich hin stöhnen, um es auszuhalten, und es ist mir gleichgültig, ob das irgendjemand in dieser gottverlassenen Wildnis hört. Ich bin jetzt wehleidig! Aus einem touristischen Kaufrausch heraus habe ich mir Gott sei Dank diesen Wanderstock gekauft. So sehr mich dieser Knüppel beim Aufstieg behindert hat, so sehr nützt mir dieser Zauberstab jetzt bei dieser Schlitterpartie nach unten. Ohne ihn könnte ich mich auf dieser Rutschbahn gar nicht mehr halten. Alle zehn Minuten muss ich eine Pause einlegen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Jetzt bloß kein Selbstmitleid. Ich hab mich hier hochgeschleppt und nun schleppe ich mich eben wieder runter. Allerdings muss ich vor Sonnenuntergang in Roncesvalles sein, sonst sehe ich tatsächlich schwarz. Bisher war immer noch kein Grenzstein zu sehen, also muss ich immer noch in Frankreich sein. Spanien, komm mir doch bitte ein Stückchen entgegen! Die Schmerzen im Knie werden unerträglich und ich bin den Tränen nahe! In meinem hellsichtigen Reiseführer steht übrigens, dass jeder Pilger auf der Reise mindestens einmal weinen wird. Aber doch bitte nicht gleich am ersten Tag! Noch zehn Minuten und ich falle um! Und oh Wunder, kurz bevor ich tatsächlich losheule, komme ich aus dem dichten Wald an eine Lichtung und sehe die Klostermauern von Roncesvalles. Ich fühle mich wie ein Aussätziger im Mittelalter, dem ein Barmherziger ein Stück Brot reicht. Ich hab's geschafft. Sechsundzwanzig Kilometer zu Fuß über die Pyrenäen! Die kleine Spritztour mit dem Schafbauern mal nicht dazu gerechnet.
Das wuchtige Kloster von Roncesvalles, die offizielle Pilgerherberge, sieht aus wie eine verschlafene Dornröschenburg und ist drei Nummern zu groß für den bescheidenen Flecken. Der Ort scheint quasi jeden Moment von dem Konvent erdrückt zu werden. Nach einem kleinen Rundgang durch das Kloster, bei dem ich mich auf das Erdgeschoss beschränke, da ich heute nicht mal mehr eine Bordsteinkante bewältigen könnte, stellt sich leider heraus, dass die Schlafsäle, die Toiletten und Duschen nicht halten, was das Kloster von außen verspricht. Es ist schrecklich kalt und schmutzig. In der Haupthalle lagern an die fünfzig Pilger. Ihre durchnässten Kleider haben sie auf dem feuchten Steinboden zum Trocknen ausgebreitet. In den Ecken kauern und liegen verschwitzte, überanstrengte Menschen mit erstaunlich zufriedenen Gesichtern. So sehe ich also auch aus. Als ich mir meinen ersten richtigen Pilgerstempel im Kloster abhole, fragt mich der stämmige baskische Rentner hinter dem Schreibtisch: »Wieso wollen Sie nur einen Pilgerstempel, brauchen Sie kein Bett?« Mein Spanisch kann sich im Gegensatz zu meinem Französisch wirklich hören lassen. Spanisch war mein zweites Abiturfach und ich liebe diese Sprache nach wie vor. Also entgegne ich ihm: »Nein, ein Bett brauche ich nicht, ich werde im Hotel schlafen.« Der Mann erhebt sich wütend von seinem Schreibtisch, haut mit der Faust auf den Tisch und fährt mich an: »Was fällt Ihnen ein? Das sind ja ganz neue Moden! Als Pilger hat man in einer Pilgerherberge zu schlafen, um gemeinsame Erfahrungen mit anderen Pilgern auszutauschen, und sich nicht in einem Hotel abzusondern!« Fassungslos schaue ich den Bettenwart an und sage: »Erfahrungen tausche ich gerne aus, an Fußpilzaustausch habe ich jedoch kein Interesse.« Ich drehe mich um und gehe. Anstatt hier rumzumaulen, könnte der Typ besser mal eben die Duschwannen durchfeudeln, schießt es mir wütend durch den Kopf. Beim besten Willen, in diesem Kloster werde ich nicht übernachten. Ich habe mir den Gewaltmarsch meines Lebens angetan und werde mich jetzt nicht dafür bestrafen, indem ich in diesem refugio schlafe. Gut, übersetzt bedeutet das nicht mehr und nicht weniger als »Zuflucht«, deswegen darf man auch nicht zu viel erwarten. Ich humpele auf die andere Seite der einzigen Straße im Dorf. Meine Wahl fällt auf die kleine Pension direkt gegenüber dem Konvent. Sie ist preisgünstig, gepflegt und im warmen Zimmer gibt es sogar eine Badewanne. In der guten Stube angekommen, breite ich zunächst mal meine nassen Habseligkeiten auf dem Boden und über der Heizung aus. Selbst das Geld und mein Reiseführer sind nass. Mein Knie tut jetzt bei jedem Schritt höllisch weh. Hoffentlich muss ich das Unternehmen nicht nach der ersten Etappe abbrechen. Kommt nicht in Frage! Im Ruhezustand merke ich ja nichts. Rauflaufen geht gerade noch, aber runter ist unmöglich und leider hat man mir das einzige freie Zimmer im ersten Stock gegeben. Ich habe ewig gebraucht, bis ich hier oben war, und hab vorsichtshalber unten gleich was gegessen; Calamares in der eigenen Tinte, so muss ich nachher nicht mehr runter und dann wieder rauf. In meinem desorientierten Reiseführer steht, es soll hier ein Lebensmittelgeschäft geben. Gibt es aber nicht. Mir ist ein Rätsel, wo ich morgen Verpflegung herbekommen soll. Und selbst wenn es irgendwo ein Lebensmittelgeschäft gäbe, würde ich morgen früh die Stufen runter ins Erdgeschoss womöglich ja gar nicht mehr schaffen. Ich halte fest: Auf meine Weise habe ich heute einen Gipfel erklommen. Meine unteren Gliedmaßen sprechen eine eindeutige Sprache. Sie sind mittlerweile zu einem einzigen dumpfen Schmerz zusammengewachsen. Verhält es sich mit meiner Suche vielleicht so wie mit der Suche nach dem Gipfel im Nebel? Ich kann zwar nichts sehen, aber er ist da! Es wird ja wohl nicht an akutem Sauerstoffmangel liegen? Jedenfalls freue ich mich, in Spanien zu sein, und morgen geht's weiter. Ich fühle mich so, als wäre ich heute durch einen nebeligen Geburtskanal auf den Weg geboren worden. Es war eine schwere Geburt, aber Mutter und Kind sind trotzdem wohlauf und die Nabelschnur ist durchtrennt! Von meinen orthopädischen Problemen sollte ich einmal absehen.
Erkenntnis des Tages: Obwohl ich den Gipfel durch den Nebel nicht sehen kann, ist er doch da!
Durchschnittliche Bewertung: 
Bewertung: -
Mit Comedy kann ich nicht wirklich viel anfangen, die Peinlichkeiten verursachen mir manchmal nahezu körperliche Schmerzen. Hape Kerkeling war mir in Erinnerung als ein solcher "Schmerzenverursacher". "Hurz" und seine Einlage als Königin Beatrix gehören für mich ganz eindeutig in diese Kategorie.
Als sich dann ein Freund kurz vor seinem runden Geburtstag als Kerkerling-Fan outete, rollte ich erst einmal mit den Augen. Aber ich musste mich zwangsläufig auf die Suche begeben. Dabei entdeckte ich natürlich viel "Quatsch" und eben auch "Ich bin dann mal weg". In den Geschenkkorb des Freundes wanderte sodann neben einer guten Flasche Wein, einigen üblichen Hape-Gedönsen (z.B. das Hörbuch "Ein Mann, ein Fjord" - der Freund hat Tränen ... weiter
Bewertung: -
Ich habe das Buch geschenkt bekommen und sah mich daher verpflichtet es zu lesen. Die Schenker hatten es auch nicht gelesen, sie sind daher entschuldigt. Hape Kerkeling ist ein herausragender Komödiant. Im Fernsehen! In diesem Buch geht es selten komisch zu. Der Autor wollte einfach nur seine Erlebnisse auf der Pilgerreise berichten. Das hat er getan.
Mehr aber auch nicht. Seite um Seite reiht sich belangloses um belangloses. Vermutlich können nur begeisterte Pilger dem allem etwas abgewinnen. Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, hätte Ernst Hoppenstedt das Buch geschrieben, hätte es erstens keinen Verleger gefunden und gelesen hätte es auch niemand. Nur der Name Kerkeling - und das wussten die Verleger natürlich sehr wohl- sorgte ... weiter
Bewertung: -
Ich finde dieses Buch muss man irgendwie gelesen haben. Meine Bewertung schwankt zwischen 5 Sternen für wirklich witzige und interessante Stellen und 3 Sternen für etwas langatmige Passagen. Man kriegt ein schönes Insight in Hape`s Leben und die Landschaft und den Weg konnte ich mir sehr gut vorstellen. Erleuchtung ja oder nein, ist doch eigentlich egal und auch, dass er öfters in Hotels übernachtet hat, ist doch schnuppe. Das finde ich eher sympathisch. Minuspunkt wie gesagt, es zieht sich etwas in die Länge.
Bewertung: -
Wenn man einen mießen Tag hat und denkt man schmeißt alles hin, oder man sich einfach mal verkriechen möchte, dann lest dieses Buch. Es wird euch aufheitern und auf jeden Fall auf andere Gedanken bringen. Hab es in 2 Tagen gelesen. Und mir gings danach prima. Ein sozusagen "Wohlfühlbuch".
Es macht Lust selbst auf der Stelle gleich loszupilgern.
Es macht Lust mehr von Hape Kerkeling zu hören.
Man lernt den Menschen Hape einfach besser kennen und lieben.
Es ist auf keinen Fall ein Buch "nur" über den Pilgerweg; Kerkeling spricht auch über seine Vergangenheit; wie er überhaupt berühmt wurde, seine ersten Anfänge, seine Kindheit...dies schafft er, anscheinend, spielerisch mit seinen Schilderungen über die ... weiter
Bewertung: -
...es fehlt nur noch das muffige Käsegebäck und die lauwarme Flasche Niersteiner Domtal.
So kommt mir dieses Buch vor: und die da, das ist die Anne, die haben wir an dem Abend auch noch kennengelernt. Ach ja, und die Unterkünfte, die waren vielleicht! Nein, da sind wir doch lieber gleich...
Da ich nicht fernsehe, kann ich nicht beurteilen, welche Qualitäten des Entertainers Hape Kerkeling angeblich 2 Millionen Menschen getrieben haben mag, dieses Buch zu kaufen, zu verschenken oder gar zu lesen. Der Informationswert über den Jacobsweg, über Kerkelings Reise, ja über ihn selbst ist ebenso gleich Null wie sein Unterhaltungswert. Es mag ja interessante Dinge über den Weg, ja vielleicht sogar über Kerkeling selbst zu erzählen ... weiter
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